Historie der Laboer Totenbeliebung von 1858

Schriftliche Unterlagen von der Gründung der Laboer Totenbeliebung sind nicht mehr vorhanden. Im § 1 der Satzung aus dem Jahre 1878 heißt es: „Die unten genannten Bewohner Laboes haben die im Jahre 1858 genehmigten Artikel der Totengilde einer Revision unterzogen und in nachfolgende §§ gepasst, die von jetzt ab zur Richtschnur dienen soll“. Somit gehen wir davon aus, dass die Laboer Totenbeliebung im Jahre 1858 gegründet wurde, obwohl auch ein längeres Bestehen der Laboer Totenbeliebung nicht auszuschließen ist.

Laboer Totenbeliebung von 1858Zweck der Gründung der Laboer Totenbeliebung war, die Dorfgenossen bei Sterbefällen in ihren Familien durch Dienstleistungen zur Beerdigung der Leichen, der christlichen Sitte gemäß, behilflich zu sein. So wurde nicht nur ein barer Betrag an die Mitglieder gezahlt, sondern 16 Mitglieder wurden bestimmt zum Tragen der Leiche, zum Glockentreten und zum Gefolge. Der Fähigste musste das Fahren des Leichenwagens übernehmen. Bis 1912 fanden die Beerdigungen noch in Probsteierhagen statt, weil Laboe noch keinen eigenen Friedhof und keine eigene Kirche hatte.

Der Familienvorstand war das ordentliche Mitglied und hatte Beiträge von 0,35 Pfennig pro Sterbefall zu zahlen. Hufner waren von der Zahlung der Beiträge befreit, mussten aber das Fuhrwerk stellen. Verzichteten die Hufner, wie auch bessergestellte Mitglieder auf die Auszahlung des Sterbegeldes und stellten es der Laboer Totenbeliebung zur Verfügung, wurde dieses Geld angesammelt und in einem Fonds bei dem damaligen Creditverein Laboe (heute Förde Sparkasse) angelegt.

1878
Hauptlehrer Andreas Löwehatte die Laboer Totenbeliebung 112 Mitglieder. Der 1. Vorsitzende war der Hauptlehrer Andreas Löwe. Bei einem Sterbefall wurden 39,20 Goldmark eingesammelt. Die Hinterbliebenen erhielten 20,00 Goldmark Sterbegeld, 7,20 Goldmark erhielten die Totenbitterinnen, 9,00 Goldmark erhielten die Glockentreter und der Rest diente zur Deckung weiterer Kosten. Die Totenbitterinnen hatten die Leiche zu kleiden und für den ordnungsgemäßen Ablauf der Beerdigung zu sorgen.

Hauptlehrer Andreas Löwe,
erster Vorsitzender der Laboer Totenbeliebung im Jahre 1878

1895
wurde mit dem Aussingen der Leichen begonnen. Die Sänger erhielten 15 Pfennig je Leiche.

1898
wurde der Ankauf eines Leichenwagens beschlossen. Die Gemeinde sollte dafür einen Wagenschuppen unentgeltlich zur Verfügung stellen, dies wurde jedoch abgelehnt. Daher wurde beschlossen, einen Wagenschuppen bauen zu lassen. Die Kosten betrugen 446,50 Goldmark. Die Rücklagen der Laboer Totenbeliebung reichten nicht aus, es fehlten noch 271,50 Goldmark, die vom Hufner Hans-Asmus Wulff zu 3 ½ % Zinsen gegeben wurde. Am 24.02.1901 wurde das Geld mit 23.75 Goldmark Zinsen zurückgezahlt. Auch Nichtmitglieder konnten den Leichenwagen nutzen, mussten aber dafür 6,00 Goldmark Leihgebühr und 1,50 Goldmark Reinigungskosten bezahlen.
Personen, die länger als fünf Jahre in der Gemeinde Laboe wohnhaft waren und Mitglied werden wollten, mussten für jedes Jahr 4,00 Goldmark, höchsten 20,00 Goldmark, Aufnahme zahlen.

1903
wurde das Fahren des Leichenwagens einem Fuhrwerksbesitzer übertragen. Die Hufner erhielten alle Rechte und Pflichten wie die übrigen Mitglieder.

1904
wurde das Sterbegeld auf 40,00 Goldmark festgelegt.
Auf Antrag von Kapitän Heinrich Rühr werden 1906 die Statuten gedruckt und an die Mitglieder verteilt. Bis dahin wurden die Statuten bei Änderungen jeweils im Protokollbuch eingetragen. Der Beitrag wird auf 30 Pfennig je Sterbefall festgelegt. Das Sterbegeld beträgt 32,00 Goldmark, für nicht konfirmierte Mitglieder jedoch nur 20,00 Goldmark.
Auszug aus § 17: Der Versammlungstag für die Mitglieder der Laboer Totenbeliebung ist der erste Mittwoch nach den Fasten. Die Vorsteher müssen an diesem Tage persönlich oder in Vollmacht erscheinen. Sie haben dafür zu sorgen, dass zur rechten Zeit soviel Bier angeschafft und nach dem Versammlungslokal besorgt wird als sie für nötig halten. Auf die Versäumnis dieser Verpflichtung ist eine Brüche von ¼ Tonne Bier gesetzt.

1911
wurde auf Antrag von Christian Bandholz beschlossen, für die Pferde des Leichenwagens schwarze Decken zu beschaffen und dafür 150,00 Goldmark bereit zu stellen.

1913
wurden die Mitglieder als Kriegsteilnehmer mit je 20,00 Goldmark bei der Schleswig-Holsteinischen Kriegsversicherung versichert.
Ab 1914 findet die Jahreshauptversammlung im Hotel Laboe statt. Das Vermögen beträgt 958,02 Goldmark.

1918
Am 1.3.1918 stirbt der langjährige 1. Vorsitzende Andreas Löwe. Er war nachweislich 40 Jahre Vorsitzender der Laboer Totenbeliebung. Aus einem alten Protokoll geht hervor, dass er am Gründungstag verstorben ist. Aus diesem Grunde gehen wir davon aus, dass die Gründung der Laboer Totenbeliebung im Jahre 1858 am 1.3. erfolgte.

Hufner Willy Arp1919
erfolgt die Wahl des Schneidermeisters August Lantau zum 1. Vorsitzenden. Lantau beendete die Versammlungen immer mit den Worten: „Und so hoffen wir, dass die gefassten Beschlüsse zum Wohle und Segen für den Verein und seine Mitglieder werden“. Dies hat auch heute noch Gültigkeit.

1924
In den Jahren bis 1924 musste die Satzung aufgrund der Inflation ständig angepasst werden. Im Jahre 1924 beträgt das Vermögen der Laboer Totenbeliebung 73,87 Rentenmark (1 Rentenmark entspricht 1 Billionen (1000000000000) Papiermark).

1928
Am 31.08.1928 verstirbt August Lantau.

Hufner Willy Arp1929
wird der Hufner Willy Arp zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Hufner Willy Arp

1931
musste die gründliche Aufarbeitung des Leichenwagens und des Wagenschuppens erfolgen, die 614,24 RM Kosten verursachten und das Vermögen der Laboer Totenbeliebung auf 313,87 RM herabminderten. Die Arbeiten verrichteten Stellmacher Franz Schöneich, Maler Heckt und Schmied Franz Sütel. Mitglieder über 60 Jahre werden vom Tragen der Leiche befreit.

1932
Am 1.1.1932 wird Pastor Katt Mitglied der Laboer Totenbeliebung.

1933
Am 01.03.1933 findet die 75. Jahreshauptversammlung der Laboer Totenbeliebung im Kurhaus Laboe statt. Der 1. Vorsitzende Willy Arp gibt einen Rückblick auf die Entwicklung der Laboer Totenbeliebung. Diesem Rückblick verdanken wir die zurückliegenden Daten der Laboer Totenbeliebung, weil die Protokolle nur sehr lückenhaft und in schlechtem Zustand vorhanden sind.

1940
Ab 1940 finden die Versammlungen im Seegarten statt. Das Vermögen der Laboer Totenbeliebung beträgt 1.294,47 Mark und die Gilde hat 1.335 Mitglieder.

In den Jahres des Zweiten Weltkrieges werden Spenden in Höhe von 100,00 und 150,00 an das Rote Kreuz überwiesen. Im Kriegsjahr 1944 waren 195 Mitglieder der Laboer Totenbeliebung zum Kriegsdienst eingezogen. In den Jahren 1943/1944 sind 32 Mitglieder der Gilde gefallen.

1947
spendet die Laboer Totenbeliebung 200,00 RM für bedürftige Kinder.

In den Jahren 1945 bis 1948 finden keine Jahreshauptversammungen statt, sondern nur Sitzungen des erweiterten Vorstandes. Die Jahres- und Kassenberichte wurden in der Versammlung 1949 nachgeholt, die seitdem im Hotel Laboe stattfand. Nach der Währungsreform hatte die Laboer Totenbeliebung 392,70 DM Vermögen. Der Beitrag betrug 0,15 DM je Mitglied und wurde eingesammelt. Das Sterbegeld betrug 175,00 DM.

1950
werden der Beitrag auf 0,50 DM pro Monat und das Sterbegeld auf 200,-- DM festgelegt.

1951
Ab 1951 finden die Jahreshauptversammlungen wieder im Seegarten statt. 150,-- DM werden für die Kriegsgefangenen in Russland und 25,-- DM für das Laboer Weihnachtshilfswerk gespendet. Weitere 50,-- DM werden 1954 für das Winterhilfswerk gespendet.

1956
Ab 1956 finden die Versammlungen in der Pension Bandholz statt.

1957
wird ein Sarg-Transportwagen von Walter Sindt angeschafft. Pflege und Wartung wird dem Kirchenvorstand übertragen. Das Vermögen der Laboer Totenbeliebung beträgt 20.931,92 DM

1958
Hans Mählfindet die 100. Jahreshauptversammlung statt.

Hans Mähl wird zum 1. Vorsitzenden gewählt und Willy Arp zum Ehrenvorsitzenden ernannt. 500,-- DM und eine Kiste Zigarren werden für geselliges Beisammensein nach der Versammlung genehmigt. An der Versammlung haben 250 Mitglieder teilgenommen. Frau Guta erhält für langjährige Tätigkeit als Kassiererin und Totenbitterin 25,-- DM Treueprämie.

Hans Mähl

Seit den 20er Jahren werden bei der Jahreshauptversammlung an die anwesenden Mitglieder kleine Pappkärtchen verteilt. Sie galten als Zechgeld, konnten allerdings erst eingetauscht werden, wenn die Tagerordnung beendet war und bekannt gegeben wurde, welcher Wert in dem Jahr für die Zechgeldpappen galt.

Der Engelswagen1959
Ab 1959 übernimmt Hans Kahl mit dem „Engelswagen“ den Leichentransport, weil der Fuhrunternehmer Schnoor sein Fuhrmaterial abgeschafft hat.


Der Engelswagen

Willy Arp stirbt am 05.02.1959. Er war 28 Jahre 1. Vorsitzende der Laboer Totenbeliebung.
Auf einer außerordentlichen Versammlung wird das Sterbegeld auf 250,-- DM erhöht.

1962
Im Jahre 1962 spendet die Laboer Totenbeliebung 500,-- DM für die Flutopfer in Hamburg und 20,-- DM für das Weihnachtsfest der Alten in Laboe.
Frau Guta ist 50 Jahre als Kassiererin und Totenbitterin tätig und erhält dafür 50,-- DM Geldgeschenk.

1964
wird der Trägerlohn eingeführt, 5,-- DM je Sterbefall und Träger. Dafür zahlen die Mitglieder neben dem Beitrag ein zusätzliches Trägergeld von -,50 DM im Jahr. Bis zur Abschaffung im Jahre 1995 wurde der Trägerlohn auf 20,-- DM und das Trägergeld auf 2,50 DM erhöht.

1965
werden einheitliche Umhänge für die Träger für 180,-- DM angeschafft. Die Gilde übernimmt die Hälfte der Kosten. Die andere Hälfte teilen sich die Kirchengemeinde und das Bestattungsunternehmen Sindt.

1969
hat die Laboer Totenbeliebung die höchste Mitgliederzahl erreicht = 1.485, sie verfügt über ein Vermögen von 58.675,40 DM. Dies entspricht einem Mitgliederanteil von rd. 39,50 DM. Es wird aber ein Sterbegeld von 300,-- DM gezahlt.

1970
Der „Engelswagen“ wird ab 1970 nicht mehr benötigt und soll dem Heimatmuseum Molfsee zur Verfügung gestellt werden.

1971
erhält die Laboer Totenbeliebung zum 100-jährigen Bestehen der Holzhandlung Vöge und Wiese eine Spende von 200,-- DM. Ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der Laboer Totenbeliebung.

Claus Wiendlocha1973
wird Claus Wiendlocha zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der Beitrag wird auf 1,-- DM monatlich erhöht.

Claus Wiendlocha

1976
wird das Sterbegeld auf 400,-- DM erhöht.

1977
beträgt die Mitgliederzahl nur noch 1259 Mitglieder, ein Rückgang von über 220 Mitgliedern in den letzten acht Jahren. Es wird eine Werbeprämie für neue Mitglieder von 3,-- DM eingeführt.

1978
wird die alte Satzung überarbeitet. Bis sie letztendlich der von der Aufsichtsbehörde geforderten Mustersatzung entspricht dauert es bis 1985. 1995 wurde sie noch einmal angepasst und ist in der Fassung 1995 bis heute gültig. Darin wurde auch geregelt, dass der 1. Vorsitzende, der Schriftführer und der 1. Beisitzende bei einer geraden Jahreszahl, der 2. Vorsitzende, der Kassenwart und der 2. Beisitzende bei einer ungeraden Jahreszahl gewählt werden.

1979
spendet die Laboer Totenbeliebung 555,55 DM für ein neues Feuerwehrlöschfahrzeug.

1981
Am 10.08.1981 stirbt Hans Mähl. Er war 15 Jahre 1. Vorsitzende und insgesamt 24 Jahre im Vorstand der Laboer Totenbeliebung.

1985
wird das Sterbegeld auf 500,-- DM erhöht. Das Vermögen beträgt 177.298,21 DM. Bei 1.072 Mitgliedern entspricht dies rd . 165,-- DM je Mitglied.

1987
sind die bisherigen Kassiererinnen verstorben oder haben aus Altersgründen aufgehört. Es wird daher das Lastschrifteinzugsverfahren für die Beiträge eingeführt.

66 Mitglieder wurden aus der Laboer Totenbeliebung ausgeschlossen, weil sie nicht am Lastschrifteinzugsverfahren teilnehmen wollten und auch nach mehrmaliger Aufforderung die Beiträge nicht gezahlt haben.

Für die Kirchenorgel werden 1.000,-- DM gespendet.

1991
wird das Sterbegeld auf 600,-- DM erhöht.

1995
Nach Einführung der neuen Satzung im Jahre 1995 beträgt das Höchsteintrittsalter 60 Jahre. Der Trägerlohn und das Trägergeld werden abgeschafft. Der Beitrag beträgt 15,-- DM im Jahr uns ist bis zum 30.03. jeden Jahres zu zahlen. Das Sterbegeld wird auf 760,-- DM erhöht. Bei 870 Mitgliedern und 311.457,49 DM Vermögen entspricht dies rd. 358,-- DM je Mitglied.

Einführung eines PC-Programms zur Mitgliederverwaltung und Beitragserhebung.

Hans-Peter Möller1997
wird Hans-Peter Möller zum 1. Vorsitzenden gewählt und Claus Wiendlocha zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Hans-Peter Möller

1999
wird das Sterbegeld auf 800,-- DM erhöht.

Am 07.03.1999 stirbt Claus Wiendlocha. Er war 24 Jahre 1. Vorsitzender und insgesamt 29 Jahre im Vorstand der Laboer Totenbeliebung.

2002
wird der Euro eingeführt. Die Laboer Totenbeliebung verfügt über ein Vermögen von 203.890,36 Euro und hat 783 Mitglieder.

2004
Am 1.1.2004 wird das Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen abgeschafft. Damit bilden die Leistungen der Laboer Totenbeliebung eine hervorragende Alternative. Die Versammlung beschließt 2003 bis zu fünf Versicherungsverhältnisse je Mitglied zuzulassen.

2004
wird im Internet eine Homepage unter "www.sterbekasse-laboe.de" eingerichtet.

Wilfried Haß2006
wird Wilfried Haß zum 1. Vorsitzenden gewählt und Hans-Peter Möller zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Wilfried Haß

2008
Im Zuge des 150-jährigen Bestehens der Laboer Totenbeliebung wird eine neue Beitrags- und Leistungstabelle eingeführt. Das Sterbegeld beträgt 580,- € je Versicherungsverhältnis.

2009
Neue Kundeninformation (AGB) werden beschlossen. Kartei über ehemalige Mitglieder wird von Eckard Schöneich angelegt, zunächst auf Karteikarten und ab 2017 elektronisch. Ausweise, Satzung und Kundeninformationen (AGB) werden den Mitgliedern zugeschickt.

2012
Es wird beschlossen, dass bei Austritt bzw. Ausschluss keine Beiträge erstattet werden.

2013
Ab 01.01.2013 wird der Jahresbeitrag auf 12,00 € je Versicherungsverhältnis geändert.

2015
Eckard Schöneich ist 40 Jahre im Vorstand. Von 1975 bis 1996 als Schriftführer und seit 1997 als Kassenwart.

Am 23.04.2015 verstirbt Hans-Peter Möller. Es war 9 Jahre 1. Vorsitzender und insgesamt 37 Jahre im Vorstand. Uwe Schwarz erhält für seine 45-jährige Tätigkeit als Kassenprüfer ein Präsent.

2016
Ab 1.7.2016 gilt eine neue Beitrags- und Leistungstabelle.

Eckard Schöneich;2017
Wilfried Haß tritt als 1. Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen zurück. Eckard Schöneich wird zum 1. Vorsitzenden gewählt. Daneben bleibt er weiterhin Kassenwart.

2017
Jochim Rumohr erhält für seine 50-jährige Tätigkeit als Kassenprüfer ein Präsent.

2018
Der Beitrag wird ab 1.1.2019 auf 15 € jährlich je Versicherungsverhältnis angehoben.